Lehr-Lernszenario

Lehre NACHGEFRAGT

Newsletter für Lehre an der Uni Jena Ausgabe 01 2025
Lehr-Lernszenario
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Sieben Fragen an Dr. Eva von Domaros zum Thema „Erfahrungswert: Wie bereichert die Teilnahme an den hochschuldidaktischen Qualifizierungsangeboten der Uni Jena das Leben als Lehrperson?“

Dr. Eva von Domaros

Foto: Nadine Mrosewski

Dr. Eva von Domaros ist Nachwuchsgruppenleiterin der Forschungsgruppe „Computational Materials Science“ am Otto-Schott-Institut für Materialwissenschaften an der Physikalisch-Astronomischen Fakultät der Universität Jena. Im Laufe ihrer akademischen Karriere forschte und lehrte sie unter anderem an Universitäten in Leipzig, Bonn, Irvine (Kalifornien) und Berlin. Ihre Leidenschaft für die Computergestützten Materialwissenschaften möchte die junge Wissenschaftlerin an ihre Studierenden weitergeben. Im Juli 2024 erhielt sie als erste Jenaer Forscherin den Fulbright-Cottrell Award, der Projekte fördert, die mit einem innovativen Konzept Forschung und Lehre miteinander verbinden. Mit dem Wunsch sich selbst weiterzuentwickeln und ihre Lehre didaktisch noch besser an den Bedürfnissen der Studierenden auszurichten wurde sie auf die Angebote der Servicestelle LehreLernen an der Uni Jena aufmerksam. Im Interview berichtet sie, welche Erfahrungen sie bisher gemacht hat und wie sich ihre Lehre gewandelt hat.

Welche Angebote der Servicestelle LehreLernen haben Sie schon genutzt?

Schon kurz nach meinem Start in Jena habe ich Workshops zu den Themen „Prüfen in Moodle“ und „Rechtsfragen rund ums Prüfen“ besucht, die damals in den späten Coronazeiten noch online stattfanden. Etwas später habe ich dann das Zertifikatsprogramm „Basic“ absolviert, welches die wichtigsten Kompetenzen der Hochschullehre abbildet. Feste Bestandteile davon sind Grundlagen der Hochschuldidaktik, ein Workshop zum Thema „Prüfen und Bewerten“ und ein Abschlussworkshop. Dazu kommen die individuellen Elemente, bei denen es um die konkrete Planung einer Lehrveranstaltung geht, sowie die Videoaufzeichnung einer Veranstaltung und anschließend deren Auswertung. Im Rahmen des Programms habe ich außerdem Workshops zu den Themen „Lehrvorträge entstauben und didaktisch sinnvoll gestalten“, „Fehler als Lerngelegenheit nutzen“ sowie „Ertragreiche Diskussionen“ ausgewählt. Vor der Videoaufzeichnung und der Auswertung war ich extrem aufgeregt, aber im Nachhinein war das sehr interessant und aufschlussreich. Die Lerntagebücher, die ich auch im Rahmen des Zertifikatsprogramms geschrieben habe, werde ich im nächsten Semester wieder nutzen, um meine eigene Reflexion der jeweiligen Sitzungen wieder in Erinnerung zu rufen. Erst kürzlich habe ich noch den Workshop „ChatGPT & Co: KI in der Lehre sinnvoll einsetzen – Eine Einführung“ besucht.

Welche konkreten Vorteile haben Sie persönlich durch die Teilnahme an den hochschuldidaktischen Qualifizierungsangeboten der Uni Jena erfahren?

Ganz objektiv hat sich meine Lehre deutlich verbessert, was sich auch im direkten Feedback der Studierenden sowie in den Evaluationen gespiegelt hat. Für mich persönlich haben die Angebote von LehreLernen einen nachhaltigen Einfluss darauf, wie ich meine Lehrveranstaltungen vorbereite und auch wie ich sie durchführe. Ich fühle mich sicherer und selbstbewusster. Vor allem aber ist mir klar geworden, wie viel Potential die Studierenden schon mit in die Lehrveranstaltung bringen und ich habe gelernt, mehr in den Dialog zu gehen, den Studierenden mehr zuzuhören und so dieses Wissen abzurufen und in die Lehrveranstaltung einzubringen.

Wie tragen diese Qualifizierungsangebote zur professionellen und persönlichen Weiterentwicklung als Lehrperson bei? Inwiefern haben diese Angebote Ihre Lehrmethoden verändert oder bereichert?

Als Lehrende an einer Hochschule hat man meist keine Vorkenntnisse im Bereich Didaktik. Vor allem im Einführungsworkshop des Zertifikatsprogrammes habe ich so viel über den Lernprozess an sich gelernt, dass es mir viel leichter fällt, meine Inhalte für die Lehrveranstaltung zu strukturieren und vorzubereiten. Da ich nun auch sehr vielfältige und aktive Lehr- und Lernmethoden einsetze, ist die eigentliche Lehrveranstaltung für mich oft sogar entspannter. Die gute Vorbereitung und eine klare Struktur in der Lehrveranstaltung geben mir Sicherheit. Und das gilt nicht nur für Vorlesungen und Seminare, sondern auch für die Betreuung von Praktika und Abschlussarbeiten.

Wie lassen sich die vermittelten Inhalte und Kompetenzen im Alltag einer Lehrperson umsetzen?

In meiner Erfahrung ging das ohne Schwierigkeiten. Alle Workshops von LehreLernen sind sehr interaktiv und als Teilnehmende ist man motiviert, schon während des Workshops ein Anwendungsszenario durchzuspielen. Besonders fruchtbar war natürlich das Zertifikatsprogramm, weil es begleitend zu einer Lehrveranstaltung stattfindet. Ein festes Element ist hier die Arbeit an der jeweiligen Lehrveranstaltung. Dabei wird die Feinplanung einer Sitzung besprochen sowie eine Videoaufzeichnung durchgeführt, welche dann auch gemeinsam ausgewertet wird. In diesem individuellen Teil habe ich sehr wertvolles Feedback bekommen und Ideen, wie ich meine Lehre weiter verbessern kann.

Eine große Rolle haben hierbei auch die Studierenden gespielt, denn ich konnte erleben, wie sehr Studierende lernen wollen. Gerade beim Einsatz aktiver Methoden war ich etwas zögerlich mit der Befürchtung, dass niemand sich beteiligen würde. Durch die Arbeit mit den Studierenden und den Austausch wurden diese Zweifel schnell ausgeräumt und ich war beeindruckt von der Beteiligung der Studierenden und der Qualität ihrer Beiträge.

Natürlich ist es immer mit Aufwand verbunden, neue Methoden in eine bestehende Lehrveranstaltung einzubringen. Durch die Begleitung und die Motivation durch das Programm hat es bei mir sehr gut geklappt.

Welche Rolle spielt der Austausch mit anderen Teilnehmenden bei diesen Angeboten? Haben sich daraus neue Perspektiven oder Kooperationen ergeben?

Der Austausch in der Gruppe ist für mich immer ein Gewinn gewesen, und zwar auf vielen Ebenen. Einerseits ist es immer spannend, sich mit anderen Lehrenden aus verschiedenen Fachbereichen auszutauschen und dadurch teilweise völlig neuartige Impulse für die eigene Lehre zu bekommen. Aber auch über den Lehr-Lern-Kontext hinaus habe ich mein Netzwerk an der FSU durch die Workshops erweitern können. Mit einigen Teilnehmenden bin oder war ich auch außerhalb der Workshops in Kontakt, da man sich über Fördermöglichkeiten oder andere Themen aus dem Uni-Alltag austauschen kann.

Können Sie Beispiele geben, wie Sie das Gelernte in Ihren Lehrveranstaltungen angewendet haben?

Ganz allgemein plane ich meine einzelnen Sitzungen sehr viel besser. Im Modul „Computergestützte Materialwissenschaft“ habe ich die Reihenfolge der Themen umgestellt, um so besser an das Vorwissen der Studierenden anzuknüpfen. Ich achte in der Planung meiner Sitzungen darauf, dass die Input-Phasen nicht zu lang sind, und bringe dazwischen immer wieder aktive Elemente ein. Besonders gern arbeite ich mit Moderationskarten, auf denen Begriffe oder Zusammenhänge beispielsweise sortiert und angeordnet werden müssen. Dabei haben Studierende Anhaltspunkte, sind aktiv und kommen in den Austausch miteinander und mit mir. Das sind nur einige Beispiele. Insgesamt habe ich eine gute Übersicht über Lehrmethoden und kann so zum jeweiligen Inhalt die passende Methode auswählen. Und ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, die Relevanz der Kompetenzen transparent zu machen. Seit ich öfter und klarer kommuniziere, wofür wir die Inhalte der Vorlesung anwenden, sind Studierende sehr viel motivierter und interessierter.

Was würden Sie anderen Lehrpersonen über die Bedeutung dieser Angebote, auch vor dem Hintergrund des notwendigen Zeitaufwandes für die didaktische Qualifizierung, mitgeben?

Ich kann die Angebote von LehreLernen uneingeschränkt weiterempfehlen. Der Zeitaufwand war für mich mehr als gerechtfertigt und hat sich bezahlt gemacht. Zugegebenermaßen war ich etwas zögerlich bei der Anmeldung zum Zertifikatsprogramm, weil ich befürchtete, es würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Es nimmt tatsächlich auch viel Zeit in Anspruch. Da es aber direkt an einer Lehrveranstaltung ansetzt, ist dieser Aufwand dort direkt wieder investiert. Ich würde es so formulieren: Mich hat es motiviert, mir die Zeit für die Lehrveranstaltung zu nehmen, die ohnehin notwendig wäre. Und darüber hinaus: Die Workshops sind allesamt modern und orientieren sich an aktuellen Ergebnissen der Forschung, die Atmosphäre ist sehr angenehm und die Kommunikation wertschätzend. Alle Workshops, an denen ich teilgenommen habe, haben mir extrem viel Spaß gemacht.

Kontakt

  1. von Domaros, Eva, Dr. Leiterin Carl-Zeiss-Nachwuchsgruppe / Junior Research Group Leader Professur Computational Materials Science
  2. Hochheim, Evelyn Leiterin Servicestelle LehreLernen