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Transport
Der nächstgelegene Flughafen ist in Memphis, Tennessee, etwa eine Stunde Autofahrt entfernt. An den offiziellen An- und Abreisetagen der Universität gibt es einen kostenlosen Shuttle, ansonsten kann man für rund 100 Dollar pro Fahrt einen Transfer buchen. Öffentliche Verkehrsmittel sind in Mississippi kaum vorhanden, und ohne Auto ist man oft auf Uber angewiesen.
In Oxford selbst gibt es einen kostenlosen Bus, der die Wohnheime mit dem Campus verbindet. Während er unter der Woche zuverlässig fährt, ist er am Wochenende schwieriger nutzbar. Eine gute Alternative ist das Fahrrad: Über die Universität kann man sich zu Beginn des Semesters für etwa 30 Dollar eines mieten. Da die Distanzen in Oxford überschaubar sind (vergleichbar mit Jena), war dies für mich eine ideale Lösung. Es lohnt sich allerdings, sich direkt nach der Ankunft darum zu kümmern, da die Nachfrage groß ist. Ansonsten ist „zu Fuß gehen“ oft herausfordernd, da viele Wege ausschließlich für Autos ausgelegt sind und Gehwege fehlen. Man arrangiert sich jedoch schnell und nutzt notfalls Vorgärten und Straßen.
Erfahrungsbericht University of Mississippi
Foto: Studentin Uni JenaWohnen, Lebenshaltungskosten und Einkaufsmöglichkeiten
Dank der Unterstützung des Internationalen Büros der Ole Miss konnte ich einen Wohnheimplatz ergattern. Der Wohnungsmarkt ist angespannt, und Austauschstudierende haben oft keine große Auswahl – man kann froh sein, wenn man eine Unterkunft findet. Die Mieten liegen zwischen 800 und 1.300 Dollar pro Monat. In dem Wohnheim The Quarters teilt man sich eine Wohneinheit mit drei anderen Personen, hat jedoch ein eigenes Bad sowie eine große, moderne Küche und eine eigene Waschmaschine und einen Trockner. Als internationale Studierende wohnt man meistens auch mit internationals zusammen. The Quarters sind gut angebunden und durch den großzügigen Wohnraum lässt es sich hier gut wohnen. Leider besteht nicht die Möglichkeit Kochutensilien nach Abschluss des Semesters vor Ort zu lassen, sodass man sich komplett neu eindecken muss.
Ansonsten sind auch die Lebenshaltungskosten höher als in Deutschland. Ein günstiger Handyvertrag ist beispielsweise Mint Mobile, und Walmart ist die preiswerteste
Supermarktoption (zu Fuß ca. 50 Minuten vom Campus entfernt, mit dem Fahrrad 15 und mit dem Auto 5 Minuten). Die Stadt bietet zahlreiche (Fast-Food)-Restaurants, die jedoch meist nur mit dem Auto oder Uber gut erreichbar sind. Vegetarische und vegane Optionen sind jedoch sehr begrenzt. An der Uni gibt es zudem eine Cafeteria sowie verschiedene Fast-Food-Ketten. Wer möchte, kann zu Beginn des Semesters einen Meal Plan erwerben – eine All-you-can-eat-Option, die jedoch recht teuer und stark Fleisch lastig (vegetarisch heißt Salatbar, vegan Salat ohne Dressing) ist.
Campus und akademisches Leben
Der Campus der Ole Miss ist weitläufig und grün. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit findet man sich gut zurecht und kann zwischen Seminaren auf der Bank die zahlreichen Eichhörnchen beobachten. Es gibt viele Bibliotheken mit ausgedehnten Öffnungszeiten zum Arbeiten. Ansonsten ist die Universität stark von Football und Fächern wie BWL oder Jura geprägt. Dennoch gibt es auch engagierte Fachbereiche, insbesondere das Soziologie-Department, das sich dem konservativen Klima bewusst entgegenstellt. Die Atmosphäre dort ist einladend und es wird aktiv versucht, diskriminierungsarme Räume zu schaffen. Ich habe die Dozierenden als äußerst unterstützend und herzlich erlebt.
Die Seminare sind oft kleiner als in Jena, und der Kontakt zu den Lehrenden ist persönlicher als in Deutschland. Die Auswahl an Master-Seminaren war begrenzt, aber mit Kursen wie Queer Mississippi und Current Debates in Gender konnte ich spannende Veranstaltungen belegen. Das amerikanische Hochschulsystem ist deutlich verschulter, mit häufigen Abgaben und hohem Workload, jedoch würde ich die Benotung als weniger anspruchsvoll einschätzen. Darüber hinaus gibt es unterstützende Angebote wie das Writing Center (sowohl für BA als auch MA), das ich sehr empfehlen kann. Ein großer Unterschied zu Deutschland ist auch, dass Hausarbeiten während des Semesters geschrieben werden, sodass die vorlesungsfreie Zeit tatsächlich frei ist. Wer seine Sprachkenntnisse gezielt verbessern möchte, kann zudem Intensive English Classes belegen.
Erfahrungsbericht University of Mississippi
Foto: Studentin Uni JenaFreizeit und Aktivitäten
Das Sportprogramm an der Ole Miss ist umfangreich und kostengünstig. Für 25 Dollar pro Semester kann man unbegrenzt an vielseitigen Sportkursen teilnehmen, Pickleball-Felder gebührenfrei nutzen oder das Fitnessstudio besuchen. Zusätzlich gibt es organisierte Ausflüge, beispielsweise Wandertouren. Auch das Internationale Büro organisiert interkulturelle Veranstaltungen und Exkursionen nach Memphis oder New
Orleans. Mit einem (Miet)wagen kann man beispielsweise auch die nähere Umgebung wie den Sardis Lake oder etwas weiter entfernt Nashville, Tennessee erkunden.
An Wochenenden mit Heimspielen ist die gesamte Stadt im Football-Fieber. Es lohnt sich, das bunte Treiben beim Tailgating zu erleben oder ein Spiel zu besuchen (Studi-Tickets gibt es je nach Spiel bereits ab 15 Dollar). Nach den Spielen zieht es viele Studierende ins Stadtzentrum, um in den Clubs weiterzufeiern. Der Eintritt liegt dabei zwischen 25 und 60 Dollar. Wer weniger an Partys interessiert ist, meidet an diesen Wochenenden am besten den Campus und die sehr volle Stadt.
Eine weitere Möglichkeit in Kontakt zu kommen, ist das Cultural Café, das wöchentlich freitags stattfindet und Studierende aus aller Welt miteinander ins Gespräch bringt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Clubs, in denen man sich engagieren kann, oft auch für nur ein Semester. Für mich war es besonders bereichernd, mich mit amerikanischen Studierenden anzufreunden und mit ihnen – und ihrem Auto – abseits der typischen Campus-Aktivitäten Mississippi zu erkunden. So lassen sich Orte wie der Violet Valley Bookstore (ein gemeinnütziger queer-feministischer Buchladen), kleine Kunstgalerien oder Märkte entdecken. Das Stadtzentrum von Oxford ist geprägt von Restaurants, Ole Miss-Merchandise-Läden und einigen Buchhandlungen. Wer Natur sucht, kann zu einem kleinen Park in der Nähe „spazieren“.
Erfahrungsbericht University of Mississippi
Foto: Studentin Uni JenaFazit
Oxford, Mississippi, bietet als Studienort eine einzigartige Mischung aus amerikanischer Universitätskultur, südstaatlicher Tradition und einem spannenden akademischen Umfeld. Wer offen für neue Erfahrungen ist, kann viel über die Geschichte der Südstaaten lernen und eine amerikanische Lebensrealität abseits der Großstädte erleben. Für mich war es eine bereichernde Zeit, in der ich nicht nur viel gelernt, sondern auch inspirierende Menschen kennengelernt habe. Abseits der dominierenden konservativen Meinungen habe ich alternative Räume und Gemeinschaften entdeckt, die mich herzlich aufgenommen und mir gezeigt haben, dass Mississippi weit mehr ist als Republikaner*innen, Football und Trucks – nämlich auch bunt, weltoffen und widerstandsfähig.