
Meldung vom: | Verfasser/in: Soyee Chan
Zur Original-Meldung
Falls ihr schon meinen letzten Artikel gelesen habt, könnte die Vorbereitung für das Visum euch hektisch erscheinen. Um ehrlich zu sein, war ich zu der Zeit auch überfordert. So überwältigend, wie es sich anfühlte, war es jetzt im Rückblick trotzdem nicht. Im letzten Artikel habe ich endlich das Visum erhalten. Jetzt fliege ich nach Halle (Saale), Deutschland und gehe auf den Anfang meines Lebens in Deutschland ein.
Aufenthaltstitel: Unterkunft
Nach meiner Ankunft in Deutschland musste ich mich erst um mein Aufenthaltstitel kümmern. Das wichtigste Thema dafür war für mich meine Unterkunft.
Vor meiner Ankunft in Deutschland habe ich mich bereits für einen Platz in Studentenwohnheim beworben. Trotzdem habe ich nachher erfahren, dass DSH-Teilnehmende der Uni Halle für ein Studentenwohnheim nicht berechtigt sind. Außerdem habe ich nach dem Zugangstest keinen Platz in dem DSH-Kurs direkt bekommen.
Hinweis auf die DSH-Kurs Warteliste
Ich war auf der ersten Stelle der Warteliste für den DSH-Kurs (Uni Halle). Es wurde angekündigt, an welchem Tag den Aufgenommenen eine Zulassung zum DSH-Kurs gesendet wird (Warteliste inklusive). Leider habe ich keine bekommen und hatte sofort Panik. Anschließend erhielt ich von demselben Studienkolleg in Halle ein Angebot für die Teilnahme an einem Vorkurs und nahm dieses direkt an. Erst später, als ich schon im DSH-Kurs war, erfuhr ich, dass ich, wenn ich noch länger gewartet hätte, gute Chancen gehabt hätte, am Original-DSH-Kurs teilzunehmen.
Allerdings kann ich mich tatsächlich über den Vorkurs nicht beschweren. Der Vorkurs hat mir wirklich viel geholfen und mich gut auf den DSH-Kurs vorbereitet. Es ist nur anzumerken, dass man trotz der Stelle auf der Warteliste noch eine Chance hat. (besonders wenn ihr einen festen Zeitplan fürs Studium habt ;) )
Eine Wohnsitzanmeldung ist erforderlich für den Antrag auf den Aufenthaltstitel. Aufgrund der Bearbeitungszeit sollte die angegebene Adresse eine Adresse sein, an der man mindestens 3 Monate wohnt. Ansonsten könnten die Unterlagen zur Abholung des Ausweises nicht zeitlich eintreffen. In Deutschland ist es ohne Schufa-Auskunft oder Bürgen schwierig eine Wohnung zu finden.
Schnitzeljagd nach einer Wohnung
Um ehrlich zu sein, bin ich nicht in der Lage, geordnet über diese Zeit zu sprechen. Am Anfang in Deutschland habe ich für 1,5 Monate in verschiedenen Air B&B gewohnt. Rückblickend wäre es wahrscheinlich einfacher für mich gewesen in einem Hotel zu wohnen. Air B&Bs sind hier viel teurer als in Asien.
Ich habe eigentlich eine Wohnung gefunden und wollte gerne den Vertrag unterschreiben. Trotzdem wurde eine Bürgschaft und ein Aufenthaltstitel (ja… umgekehrt…) benötigt.
Bürgschaft: ein deutscher Bürger bzw. eine deutsche Bürgerin ist finanziell für die Wohnung gegenüber dem Vermieter verantwortlich. Im schlimmsten Fall: Hätte der Mieter die Miete nicht gezahlt, ist der Bürge (nicht „Bürger“!) dafür verantwortlich und muss die Miete zahlen.
Ich war am Anfang auch ein Sturkopf und wollte unbedingt nur ein Einzelapartment (obwohl ich eigentlich auch keine zusätzliche finanzielle Unterstützung hatte). Dann habe ich endlich versucht, ein Zimmer in einer WG zu finden. Nur eine Rückmeldung habe ich bekommen. Die Nachricht sah aber ganz verdächtig aus. Dank einem Freund haben wir das genannte Haus besucht und in der Tat stand der Name von diesem „Vermieter“ gar nicht dort. Am Ende haben wir recherchiert und herausgefunden, dass es sich um Betrüger gehandelt hat. Bezahlt niemals eine Kaution, ohne die Wohnung persönlich besucht zu haben!
Danach habe ich Glück gehabt, dass ich durch Kontakte ein Zimmer für einen Monat in einem evangelischen Konvikt (Studentenwohnheim, das von der Kirche verwaltet wird) bekommen habe. Mit der Adresse von dem Konvikt habe ich mich endlich erfolgreich angemeldet. Während der Anmeldung habe ich erfahren, dass die Vertragsdauer im Konvikt zu kurz für den Antrag des Aufenthaltstitels war.
Im Konvikt hat mir ein Mitbewohner eine Freundin von ihm vorgestellt, welche ein freies Zimmer in einer 2er WG hatte. Wir haben uns kennengelernt und haben uns super verstanden. Wir haben viel geredet und kamen miteinander gut zurecht. Ich wollte am liebsten sofort einziehen. Aber guess what: Bürgschaft notwendig. Mein Freund hat für mich sogar viele Wohnungsanbieter angerufen, ob ein Sperrkonto als finanzieller Nachweis ausreichend sein kann, da er das durch Zufall erfahren hat. Am Ende musste ich leider das Angebot von dieser Wohnung absagen. Es hat mich wirklich traurig gemacht.
Dann bin ich nach dem Konvikt in die Wohnung meines Freundes eingezogen. Ich habe mich trotzdem mit dieser Adresse noch nicht angemeldet, weil ich nicht im Mietvertag stand und mir unsicher war, ob beim Vermieter gemeldet zu sein ausreichend für eine Anmeldung ist.
Ich muss mich bei dem Studienkolleg viel bedanken. Nachdem das Semester im Studienkolleg angefangen hat, habe ich den Lehrern und Lehrerinnen meine Sorge um den Aufenthaltstitel geäußert. Ich konnte dann mit einer Beraterin persönlich sprechen und sie hat mir dann Informationen und Kontakte gegeben. Vor meinem Besuch im Studienkolleg habe ich eigentlich schon versucht, direkt an der Tür von dem Internationalen Büro zu klopfen. Ich habe aber leider keinen sofortigen Termin bekommen. Dadurch habe ich die „Termin-Kultur“ in Deutschland kennengelernt (man braucht gefühlt für alles einen Termin).
Übrigens an Uni Jena könnt ihr das Internationalen Büro auch ohne Termin während der Sprechzeiten spontan besuchen, indem ihr vor dem Büro ein Ticket holt.
Termin an der Ausländerbehörde
Dank der Hilfe von dieser Beraterin am Studienkolleg habe ich endlich die Anmeldung für den Wohnsitz erledigt. Trotzdem hat mir ihr Kontakt in der Ausländerbehörde leider nicht geholfen, weil die Ausländerbehörde zu der Zeit schon überlastet war. Meine Unterlagen wurden gesendet, wurden aber nicht eingereicht. Und dann haben mir meine Kommilitonen im Vorkurs vorgeschlagen, dass ich dienstags die Ausländerbehörde ohne Termin besuchen kann. Ich muss nur sehr früh um 6 Uhr dort sein. Ansonsten ist die Warteschlange unendlich lang und ich komme nicht dran. Ohne meine Kommilitonen hätte ich diese Info wirklich nie(!) bekommen.
Dann habe ich endlich mein Aufenthaltstitel erfolgreich beantragt und habe den Ausweis nach 2 Monaten abgeholt. In der Zwischenzeit war mein Visum schon abgelaufen. Ich bekam dennoch eine Bescheinigung als den Ersatz des Ausweises.
Ich hatte schon Glück, obwohl meine Geschichte lang und kompliziert aussieht. Ich habe wirklich viele nette Leute kennengelernt und viel Hilfe von ihnen bekommen. Meine Kommilitonen habe mir noch mehr über ihre Schwierigkeiten und besonders über die Ausländerbehörde erzählt, etwas noch komplizierter. Meine Schwierigkeiten lagen eher an meinem Mangel an Informationen. Es ist auch etwas, was ich Deutschland interessant finde: man sieht Webseiten voll mit Wörtern und Informationen, trotzdem erfährt man die Praktischen und wirklich Wichtigen nur, wenn man mit den Zuständigen persönlich oder am Telefon spricht.
Der Artikel ist nochmal unerwartet lang gelaufen haha. Ich bin mir sicher, dass ich etwas vergessen habe. Falls ihr zu diesem und auch dem letztem Artikel Fragen habt, schreibt mir gerne an meine E-Mail Adresse so.yee.chan@uni-jena.de. Ich werde mein Bestes versuchen zu antworten. Mindestens könnte ich vorschlagen, wo ihr euch am besten informieren könnt.
Im nächsten Artikel geht es endlich um die Bewerbung für das Studium. Jetzt bleiben wir erst in dem Studienkolleg in Halle. Mach’s gut und bis zum nächsten Mal!